vogliamo tutto
weißt du noch
wie wir immer den rötesten fahnen nachgelaufen sind
und „arbeiterverräter“ geschrien haben
und schwenkten das kleine rote buch
bis dann diese bekloppten von der eap kamen
die hexe von windsor im bündnis mit rockefeller und dem papst
war das schön denen die tische umzuschmeißen
ihnen die fressen zu polieren
felsenfest waren wir davon überzeugt
solschenizyn sei eine kreatur des cia
und klaus staeck plakatierte
„deutsche arbeiter die spd will euch
eure villen im tessin wegnehmen“
dann das festival und eliana
hingestreckt wie eine bajadere nur die zigarette an
viermal in einer nacht „sei fantastico“
sie machte sich über mich lustig denn schon wochen später
hatte sie sich ihr palästinenserproblem in den uterus gesteckt
und kam nieder mit einem kleinen scheich
machte karriere in ihrem sender und landete doch
in der geschlossenen
dann ging’s auch hier mit den kindern
wie’s brötchenbacken stücker drei
haben wir in vier jahren in die welt gestellt
sind ins grüne gezogen und hin und wieder
wenn wir in volterra waren und ernesto aus rom kam
haben wir geschwelgt und uns erinnert,
wie wir immer den rötesten fahnen nachliefen
„vogliamo tutto“ schrien
wie wir mit bloßer brust gegen die polente standen
als wir nach dem attentat auf rudi
ach quatsch natürlich nicht mit bloßer brust
aber hinterher hätte man’s gern so
wie die ehe zerbrach an eliana
die schweigend lag im hotelzimmer nur die zigarette an
weiß so grauenhaft weiß
dann die embolie und ich war mitschuldig
wegen der verdammten pille
was wohl aus dem kleinen scheich
ach geht mich nichts an
mit gescheiterten romantikerinnen
kannst du den marktplatz pflastern
sein vater ging nachts hinaus in die wüste
und klagte den sternen sein leid
das hat sie belauscht „ich musste ihn lieben,
das hat noch kein mann für mich getan“
jason der kleine mit gläubigem blick
und schultüte in die schule marschiert
und schon am zweiten tag
strafstehen vor der klasse
wegen eines vergessenen hefts
gorbek diese beamtete sadistin
es dauerte nicht lange und wir tranken eichelkaffee
jason und seine schwestern
turnten ihre namen mit eckigen gesten
der regenbogen eines magenkranken
spannte sich über uns auf
sie haben uns aufgeschluckt und
wieder ausgespien weil wir uns nicht
wollten versteinern lassen
einmal noch nach volterra
weißwein und mortadella und schulter an schulter
mit ernesto voranschreiten im sturmschritt
der misslungnen revolution
und dann die riesigen muschelschüsseln
in molino d’era der zarte rausch
die freude an den kindern die sorglosigkeit
und das autsch-rufen auf glühheißem vulkanaschestrand
wo forte di bibbona backsteinrot
trotzt seeräubern die’s nicht mehr gibt
die klagenden rufe der strandverkäufer
jason, hetty, dorchen –
jetzt sind sie an die unis gegangen
das nest ist leer
und sie vermissen die roten fahnen nicht