Der Mann, dem der Bimsbrocken
auf den Kopf prallt, und der Kopf ist härter…
Immer den Kindern vorgespielt, wie ein genusssüchtiger Sybarit
gerade das Stück Muräne zum Munde führt, die
mit Sklavenfleisch gefüttert wurde,
als die ungeheure Wucht der Ascheexplosion ihn umhüllt,
verschüttet, konserviert für den Spachtel,
den Pinsel des späteren Ausgräbers.
Dumpf tönt das Schofar,
Josef mit seiner buntgestrickten Fliegermütze
bedarf keiner Kipa,
das Abklopfen durch den bulligen Wächter,
Misstrauen, die Gebetsshawls den Arafattüchern nicht unähnlich,
nur gestreift und nicht in Pepita,
der golden überwölbte Raum gefüllt mit
Wüstensöhnen in Totenhemden und schwarzweißen Tüchern,
der Damenflor hinten auf dem Rang
tauscht Kochrezepte aus,
Verabredungen zur Tupper-Party.
Jom Kippur, Tag der Abrechnung,
das Hersagen der Sünden
mit MP und Mannschaftswagen gesichert.
Im Park setzt der Petanque-Spieler tänzelnd die Füsse zurecht,
Birne im Kuchen, delikat, Schokoladenstreusel,
gegenüber eine Lorissa (wenn ich richtig gehört habe),
die Zigarettenasche in den Kaffee fallen lässt
und mich anblinzelt, als hätte sie nicht alle:
„When u folks come to visit me in Delaware…“
Die Augen blank, zu blank, die Haare hennarot,
die Wangen von Akne verwüstet
trotzdem schön, wunderschön so ein Frauengesicht,
wenn es trauert.
Die Sonne rot verdunkelt,
Arme, die sich emporrecken und verzweifelt
hinweisen auf das düstere Himmelsschauspiel,
das doch nur darauf beruht,
dass Erd- und Mondbahn in einer Ebene liegen.
Akanthusumschlungene Säulen, auf denen sich die
giacomettiartigen Stelen der Verbrannten erheben,
nur dass man ihnen Tücher umgeklatscht hat –
1000° heißer Kerosinfeuersturm,
die Entscheidung für den Sprung war
die Entscheidung für einen kühleren Tod.
Der Pferdezüchter in Bayern, er schlich
an jenem Tag Stunden um den Fernseher herum.
Er wusste, wenn er ihn anschaltete, würde er Bilder sehen,
wie jenes von dem Prinzen, der dem siebenhäuptigen Drachen
schon zwei Köpfe vor die Füße gelegt hat –
und aus den Stümpfen
ragen blutig die Bündel gekappter Bänder –
oder von dem Kapitän des Gespensterschiffs,
der tagsüber mit einem Nagel am Mast befestigt ist,
der ihm durch die Stirn getrieben wurde –
seine Mutter hatte die Bilder
aus den Märchenbüchern herausgeschnitten
und im Kanonenofen verbrannt,
weil er Stunden über ihnen gebrütet hatte.
Wenn es das Höchste in der Kunst ist,
mit einem Minimum an Aufwand
ein Maximum an Effekt zu erzielen,
dann war diese Attacke Kunst und schamvoll
regt sich bei Josef
Bewunderung für
diese äktschn eines Herostrat,
der sich rühmen darf, er sei
ein Teil von jener Kraft,
die stets das Gute will
und stets das Böse schafft.
(27.09.2001 im tagebau des berlinerzimmer)