Der Zeichner des liegenden Weibes

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Auf eine Radierung von Albrecht Dürer

I
Ich denk noch oft daran, wie sie mir lag,
erfüllend die bescheidne Gegenbitte,
ich übertrug des Leibs verkürzten Tag
per Gitternetz auf weißen Blattes Mitte.
Damit ich schaute wie der Basilisk
mit unbewegtem lidschlaglosen Blicke,
stand aufrecht starr vor mir ein Obelisk,
Pylon der forschenden, der Augenbrücke.
Als Esse sich die Perspektiv´ erwies,
Gesicht und Leib verschmelzend in den Sinnen,
gestauchte Hand verbarg das goldne Vlies
mit frisch in Färberwaid geblautem Linnen.
Erschafft mir auch ihr Fernsein großes Leid:
ihr Bild entriß ich der Vergänglichkeit.

II
Vergeblich habe ich mich anvertraut dem Gitter,
der Gaukelei vertraut, der ratio eitlem Schein,
es strafte grausam mich mit zärtlichem Gewitter
die Schaumgeborene, die nicht verkohlt mag sein.
Ich hielt mich für bewehrt, geschützt durch die Geraden,
doch warn sie nur das Netz, in das ich Venus ging:
Gehorsam zog ich nach der Hüften und der Waden
anmutig Linienwerk, und merkte, wie mich fing
auch durch des Netzes Sieb der alte Zauber ein,
mich schlug in seinen Bann, so dass ich keuchend jetzt
trag meiner Kette Last, verachte selber mich,
sie aber zog zurück sich in der Ehe Schrein,
wo Funken stiebend sie am Stein ihr Messer wetzt,
um hinzurichten ihn, der sich ihr Bild erschlich.

III
Den Hasen, der mir folgt als wie ein Pudelhund,
hab ich, nachdem ich ihn hab in Metall gestochen,
gestochen mit Metall bis auf des Herzchens Grund,
gesotten dann im Topf , nach Näglein hat’s gerochen,
geladen sie zum Schmaus, die frouwe meiner Gier,
perlmutten schimmerte aus dem brokatnen Mieder
der Zwillingshügel Reiz, als sie verspeist das Tier
und in den Evaleib es schluckend schlang hernieder.
Ach, hätt´sie mir gereicht des Sündenapfels Pracht,
gezögert hätt ich nicht, begangen Ehebruch,
nicht einfach, doppelten – verfallend blindem Trieb,
und wär versunken in der Hölle Greuelnacht.
Sie blieb stabil. Und mich, mich traf Frau Venus‘ Fluch,
daß ich nun doppelt lieb, die keusch in Treuen blieb.

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